Martin R. Textor


zukunftsfähig machen:

Die Zukunft der Welt

Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung von 6,7 auf ca. 9,3 Mrd. Menschen anwachsen. Dann kämen 69 Menschen auf einen Quadratkilometer Landfläche (ohne Antarktis) - in Deutschland sind es derzeit 230 Menschen. Allerdings findet das Bevölkerungswachstum vor allem in Regionen statt, die schon jetzt Probleme mit Wassermangel, unzureichender landwirtschaftlicher Produktion und Armut haben. Hier ist in Zukunft mit Wanderungsbewegungen zu rechnen.

Das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung wird von 27,6 Jahren im Jahr 2004 auf 38,1 Jahre im Jahr 2050 steigen. Der Anteil der über 60-Jährigen wird von gut 10% auf knapp 22% zunehmen und der Bevölkerungsanteil der Kinder bis 15 Jahre von fast 30% auf knapp 20% zurückgehen. Viele Staaten - neben den europäischen Ländern z.B. Japan und China - werden Probleme wegen der Überalterung der Gesellschaft haben.

In den kommenden Jahrzehnten wird der Trend zur Urbanisierung weiter zunehmen; immer mehr Menschen werden in Städten und Ballungsräumen wohnen. Im Jahr 2015 wird es schon 59 Megacities mit mehr als 5 Mio. Einwohnern geben. Außerhalb Europas werden sie zunehmend in Wolkenkratzern leben und arbeiten: Alleine in Peking werden in den nächsten Jahren 300 Hochhäuser gebaut. Ein ähnlicher Bauboom findet in Schanghai, Dubai, Seoul und vielen anderen Großstädten des Nahen und Fernen Ostens statt. In den Städten wird es immer größere Umweltprobleme (Luftverschmutzung, kein/ unsauberes Wasser, Müllberge, unzureichendes Klären von Abwasser) und immer mehr Armut geben. Im Jahr 2040 soll sich die Zahl der in Slums lebenden Städter gegenüber 2007 auf 2 Mrd. Menschen verdoppelt haben.

Umweltverschmutzung und -zerstörung werden in Asien, Afrika und Südamerika stark zunehmen (z.B. Wasserverschmutzung durch Chemikalien, mehr saurer Regen). Immer mehr (Regen-) Wald wird abgeholzt werden - derzeit gehen 43.000 Quadratkilometer Wald pro Jahr verloren. So wird 2030 beispielsweise schon mehr als die Hälfte des Amazonas-Dschungels zerstört sein. Mit der Vernichtung ihres Habitats sterben auch immer mehr Spezies aus - im Jahr 2100 soll es nur noch halb so viele wie heute geben.

Es wird erwartet, dass der geopolitische Einfluss von USA und Westeuropa in den kommenden Jahrzehnten stark abnehmen wird. Hingegen wird die politische Bedeutung von China, Indien, Brasilien und einigen anderen Staaten wachsen, die schon bald keine "Schwellenländer" mehr sein werden: Hier werden bis 2040 zwischen 2 und 3 Mrd. Menschen zu Wohlstand gelangen. Aufgrund der wachsenden Ungleichheit in diesen Staaten könnte es aber auch immer häufiger zu Unruhen kommen. Ein großes Konfliktpotenzial besteht ferner in Ländern mit verschiedenen ethnischen Gruppen. Die durch Bevölkerungswachstum und Klimawandel bedingte Wasserknappheit in vielen Regionen der Welt könnte zu bewaffneten Konflikten führen. Die Zahl der Atommächte wird wachsen und die Gefahr größer werden, dass auch Terroristen in den Besitz von Massenvernichtungswaffen kommen werden.

Die westliche Kultur, die kapitalistische Wirtschafts- und die demokratische Gesellschaftsordnung sind wohl durch Finanz- und Weltwirtschaftskrise geschwächt worden, werden aber durch multinationale Konzerne, Massenmedien und das Internet weiter verbreitet. Lebensstile, Kleidung und Einstellungen werden in den verschiedenen Weltregionen immer ähnlicher werden (globale Kultur).

Klimawandel

In den nächsten Jahren wird die Welt-Durchschnittstemperatur weiter zunehmen, was vor allem durch den wachsenden Ausstoß von Kohlendioxid durch Energieversorgung, Industrie, Verkehr, Gebäude sowie Land- und Fortwirtschaft verursacht wird. Falls keine Gegenmaßnahmen getroffen werden, könnte die Temperatur bis 2100 weltweit um 4 bis 6 Grad steigen.

In Ost- und Südostasien werden bis 2050 die landwirtschaftlichen Erträge aufgrund des Klimawandels um 20% steigen, in Zentral- und Südasien hingegen um 30% sinken. Aufgrund des Abschmelzens der Gletscher im Himalaja wird in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten mit gigantischen Überflutungen und anschließend mit Trockenheit und Dürren gerechnet.

Sollten die Gletscher in der Arktis und Antarktis sowie in den Gebirgen so stark abschmelzen wie prognostiziert, wird in den kommenden sechs Jahrzehnten der Meeresspiegel stark ansteigen. Allein in Bangladesch könnte auf diese Weise der Lebensraum von 35 Mio. Menschen vernichtet werden. Aber auch die Megastädte Kalkutta, Bombay, Guangzhou, Shanghai, Ho-Chi-Minh-Stadt, Bangkok und Rangun könnten bis zum Jahr 2070 überschwemmt sein. Bis zum Jahr 2100 könnte bis zu einem Viertel der Erdbevölkerung von Überflutung betroffen sein.

In Afrika und Zentralasien werden hingegen Dürren zunehmen, werden sich Wüsten immer weiter ausbreiten. Schon im Jahr 2020 werden 75 bis 250 Mio. Menschen unter Wassermangel leiden. In manchen Ländern könnten die Erträge der Landwirtschaft um 50% zurückgehen. Bis 2050 könnte sich die Zahl der Klimaflüchtlinge auf etwa 200 Mio. Menschen summieren.

In Südeuropa wird die Landwirtschaft weniger produktiv sein; der Sommertourismus ist aufgrund der großen Hitze bedroht. Beispielsweise wird der Norden Spaniens bis zum Jahr 2050 ein heißeres und der Süden ein wüstenähnliches Klima haben. An den Küsten wird der Meeresspiegel ansteigen und z.B. die Urlauberstrände an der Costa Brava und auf den Balearen überfluten. Bodenerosion könnte die Gefahr von Überschwemmungen verstärken, während die höheren Temperaturen und die Trockenheit zu mehr Waldbränden führen werden.

In Nordeuropa wird hingegen der Heizbedarf sinken, werden der landwirtschaftliche Ertrag sowie die Holzernten steigen. In Zukunft wird man auch im Norden von Skandinavien, Russland und Sibirien Landwirtschaft betreiben können. In Deutschland werden die Sommer trockener und die Winter feuchter werden. Beispielsweise wird sich in Bayern bis 2050 die Zahl der Tage mit Dauerfrost halbieren; dafür werden im Sommer Tage mit Werten über 30 Grad doppelt so zahlreich auftreten wie heute. Wie bereits im Mittelalter können Weinreben in Norddeutschland angebaut werden. Allerdings wird auch mit schweren Stürmen und sintflutartigen Regenfällen im Winter gerechnet, verbunden mit Hochwasser und Murenabgängen in den Bergen. Heiße und trockene Sommer könnten zu hohen Produktionswertverlusten für die Bauern und zu einem Fichtensterben in den Wäldern führen. Wärme- und trockenheitstolerante Baumarten wie Buche, Eiche oder Ahorn werden immer mehr Nadelbäume ersetzen.

Es gibt allerdings auch ein negativeres Szenario für Europa: So könnte ein durch die Erwärmung der Atmosphäre bedingtes Zusammenbrechen des Golfstroms zu einer neuen Eiszeit führen. Diese könnte innerhalb von drei Jahren einsetzen und z.B. Skandinavien in eine Eiswüste verwandeln. Schließlich liegt Europa auf den gleichen Breitengraden wie Mittelsibirien, Südgrönland und Nordkanada...