Martin R. Textor


zukunftsfähig machen:

Die Zukunft der Technik

Neben den unter "Wirtschaft" erwähnten technischen Entwicklungen dürfte in Zukunft die Robotik eine immer größere Rolle spielen; sie könnte sich zu einer Großindustrie entwickeln. In Fabriken werden immer mehr Arbeitsgänge von Robotern übernommen werden. So werden weniger Menschen als Arbeiter beschäftigt werden. Aber auch in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Supermärkten und Unternehmen werden Roboter tätig sein. Spätestens bis 2030 werden Roboter Menschen im Alltag entlasten und unterstützen.

Im Jahr 2025 könnte die NASA bereits den ersten humanoiden Roboter auf eine hundertjährige Mission durch den Weltraum schicken. Und schon in den kommenden Jahren bahnt sich ein regelrechter Wettflug zum Mond an: Den Anfang machte 2007 Japan mit der ersten Mondmission in der Geschichte des Landes. Ein Jahr lang soll "Selene" über dem Mond kreisen und dessen Oberfläche untersuchen. Im Jahr 2025 soll dann eine bemannte Raumstation auf dem Mond errichtet werden. Im Jahr 2012 möchte China einen Rover zum Mond schicken. Die russische Raumfahrt will bis 2015 den Bau des russischen Teils der Internationalen Raumstation beenden und eine wieder verwendbare Raumfähre mit einem eigenen Weltraumbahnhof entwickeln. In den folgenden zehn Jahren ist eine bemannte Plattform im Orbit vorgesehen und ab 2028 eine permanent in Betrieb befindliche Station auf dem Mond. Bereits vor dem Jahr 2040 sollen Flüge zum Mars stattfinden.

Bis zum Jahr 2030 werden Millionen von PKW und LKW mit Batterien oder Brennstoffzellen ausgestattet sein; andere Fahrzeuge werden mit Biodiesel oder Ethanol fahren. Fahrerassistenzsysteme werden eine immer größere Rolle spielen; auf bestimmten Strecken wird der Straßenverkehr ferngesteuert sein. Flugzeuge werden leichter, schneller und hinsichtlich des Verbrauchs effizienter sein.

Im Bereich Energietechnik werden zum einen die Verfahren zur Nutzung erneuerbarer Energien wie Wind, Sonnenlicht, Geothermie, Bioabfälle usw. weiterentwickelt werden. Aber auch die Atomenergie hat wieder Zukunft: In mehreren Ländern (z.B. China, USA, Großbritannien) werden neue AKWs geplant; in Japan soll ein neuer schneller Brüter inklusive Wiederaufbereitungsanlage konventionelle Atomreaktoren bis zum Jahr 2050 ablösen. Auch Indien und China bereiten den Bau von Brutreaktoren vor. Zum anderen werden Technologien weiterentwickelt werden, die zu mehr Effizienz bei der Energienutzung führen (z.B. Energiesparlampen, Kraft-Wärme-Kopplung, Niedrigenergie-Gebäude).

Ferner dürfte in den kommenden Jahrzehnten die Nanotechnologie weiterentwickelt werden, mit deren Hilfe schon jetzt z.B. außerordentlich zugfeste, leitfähige, verformbare und leichte Materialien und winzige Elektromotoren hergestellt werden können. In Zukunft wird es eventuell kleine Roboter geben, die im Blutkreislauf mitschwimmen können, Nanoassembler, die aus einzelnen Atomen nahezu alles produzieren oder jegliche Art von "Müll" in wieder verwertbare Atome zerlegen können, Oberflächen, die so glatt sind, dass kein Schmutz auf ihnen haften kann, oder Nano-Chips, mit denen sich Computer weiter verkleinern lassen.

Die Gentechnik dürfte vor allem mit Blick auf eine effizientere Landwirtschaft, eine gesündere Ernährung und nachwachsende Rohstoffe weiterentwickelt werden. Schon jetzt werden gentechnisch veränderte Pflanzen weltweit auf einer Fläche von mehr als 100 Mio. Hektar angebaut - das ist etwa so viel wie Europa an Agrarfläche hat. Es handelt sich hier um Produkte der Generation 1, die hinsichtlich ihrer Resistenz gegenüber Insektiziden und Herbiziden manipuliert wurden. Nun geht es um die Entwicklung von der Generation 2-Pflanzen, die z.B. gegenüber der weltweit zunehmenden Trockenheit widerstandsfähiger sind oder verbesserte Inhaltsstoffe enthalten. Für 2025 rechnet man weltweit mit einem Markt für Pflanzenbiotechnologie von rund 50 Mrd. Dollar; derzeit sind es 2,5 Mrd.

Dem Klonen von Menschen oder der Gentherapie wird hingegen wenig Zukunft beigemessen - im Gegensatz zu genetischen Tests, "Reparaturen" an befruchteten Eizellen und künstlichen Genen. In den kommenden zwei, drei Jahrzehnten werden sich alle Organe und Gliedmaßen künstlich herstellen lassen. Krankheiten wie z.B. Krebs, Alzheimer oder Diabetes werden geheilt werden können. Die körperlichen und kognitiven Leistungen von Menschen werden verbessert werden durch Medikamente, (Neuro-) Implantate und am Körper zu befestigende Geräte, die z.B. die Muskelkraft erhöhen oder die Sinneswahrnehmung schärfen. Die Hirnforschung wird bis 2030 die meisten Geheimnisse des Gehirns entschlüsselt haben. So wird ein "Reverse Engineering" des Gehirns möglich sein. Immer mehr Computer und Roboter werden eine künstliche Intelligenz besitzen.