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Eine zukunftsorientierte Erziehung und Bildung in Kindertageseinrichtungen zu verwirklichen, ist leichter als vermutet. Zum einen können Erzieher/innen Kindern die Möglichkeit eröffnen, soviel wie möglich selbständig oder in Kleingruppen zu lernen: Kinder sollten "Entdeckungsreisende" sein können, die aus eigener Initiative, aus Neugier und Forschergeist heraus sich selbst neue Kenntnisse und Fertigkeiten erschließen. Zum anderen können Erzieher/innen ihre eigene Rolle neu definieren: als "Begleiter/innen" der Kinder bei diesem "Abenteuer". Sie können z.B. Anreize für Entdeckungen geben, indem sie
- die "Umwelt" in der Kindertageseinrichtungen um neue Objekte bereichern ("vorbereitete Umgebung"),
- zu bestimmten Aktivitäten (z.B. Experimente, Zerlegen von Geräten, Anlegen von Sammlungen) motivieren,
- die Kinder mit unbekannten Situationen konfrontieren (durch Exkursionen in die Natur, zu Unternehmen, Handwerksbetrieben und kulturellen Einrichtungen etc.) oder
- fremde Erwachsene ("Spezialisten" für ...) in die Tagesstätte einladen.
Ferner unterstützen Erzieher/innen die Kinder auf dem Weg des selbständigen Erfahrungslernens, indem sie z.B. Lernteams organisieren, den Austausch zwischen Kindern fördern, benötigte Materialien bereitstellen oder gewünschte Informationen geben. Die Kinder lernen, wo Informationen zu finden sind, wie man sie kritisch beurteilt, wie man benötigte Daten auswählt und wie man sie verarbeitet. Besonders wichtig ist, dass die "Entdeckungsreisenden" alle Sinne einsetzen ("Sinnesschulung"), ihre Lebenswelt mit dem ganzen Körper und seinen Gliedern erleben sowie viele Primärerfahrungen in Echtsituationen machen können.
Da es in Kindertageseinrichtungen nicht darauf ankommt, wie in der Schule ein bestimmtes Wissen (z.B. nach einem Lehrplan) zu vermitteln, bietet sich das exemplarische Lernen an. Hierzu ist Projektarbeit besonders gut geeignet, weil ganz unterschiedliche Methoden und Aktivitäten eingesetzt werden können, die zusammengenommen zu einer ganzheitlichen Förderung des Kindes in allen Entwicklungsbereichen führen. Da bei Projekten Kinder kooperieren, miteinander reden und unterschiedliche Positionen ausdiskutieren müssen, werden Teamfähigkeit, kommunikative Kompetenzen und Kompromissbereitschaft gefördert. Schließlich ist es wichtig, dass im Rahmen von Projekten auch Themen aus den Bereichen Naturwissenschaften, Technik und Umweltbildung behandelt werden.
Kindertageseinrichtungen dürfen sich einerseits dem Computer und den neuen Medien gegenüber nicht verschließen und müssen den Kindern Medienkompetenz vermitteln. Andererseits müssen sie aber auch der Gefahr von wachsenden Primärerfahrungsdefiziten aufgrund der Mediatisierung unserer Gesellschaft begegnen. Im Elementarbereich sind noch am ehesten ganzheitliches Lernen, physische Lebenswelterfahrung, Sinnesschulung und Selbsterfahrung möglich.
Werden Kinder als "Entdeckungsreisende" wahrgenommen, dürfte es nicht schwer fallen, die pädagogische Arbeit an ihren Interessen zu orientieren. Kinder sollten bei der Benennung von (Projekt-) Themen und der Auswahl von Aktivitäten mitbestimmen können. Das erhöht die Motivation, selbstbestimmt, selbsttätig und selbstverantwortlich zu lernen. Wenn Kinder im Team arbeiten, unterschiedliche Meinungen ausdiskutieren, "Experten" interviewen usw., ist es auch nur selten notwendig, sie auf (Denk-) Fehler hinzuweisen - was sie oftmals entmutigen und demotivieren würde. In der Regel werden sie selbst Fehler entdecken und beheben, was nicht nur einen zusätzlichen Lernerfolg bedeutet, sondern auch die Selbst- und Fremdwahrnehmung, die kommunikativen Fertigkeiten und die Problemlösefähigkeit fördert. Die positive Selbsterfahrung im Hinblick auf das Ergründen, Hinterfragen und Gestalten von Neuem erhöht zugleich Neugier, Lernbereitschaft und Leistungsfähigkeit.
Eine große Rolle sollte weiterhin die Kreativitätsförderung spielen: Basteln, Malen und Werken, Musizieren und Tanzen, Brauchtum und Festgestaltung. Der Keim für spätere Hobbys kann schon im Kindergarten gelegt werden - Hobbys, die auch Schutz vor dem kostspieligen "Freizeitkonsumrausch" bieten. Spiel und Spaß, kreative Betätigung und Entspannung, Feste und Feiern dürfen nicht zu kurz kommen.
Kindertageseinrichtungen sollten großen Wert auf die Sozialerziehung legen, auf die Entwicklung kommunikativer Fertigkeiten und auf die Fähigkeit, interpersonale Konflikte für alle Seiten befriedigend zu lösen. Die Kinder müssen außerdem lernen, normale Übergänge wie die vom Kindergarten in die Schule sowie individuellere Transitionen wie z.B. die Trennung ihrer Eltern oder die Entstehung einer Stieffamilie zu bewältigen. Hierbei können Kindertageseinrichtungen helfen - auch indem sie die Entwicklung von Resilienz (d.h. Belastbarkeit, Widerstandsfähigkeit gegenüber negativen Erfahrungen) fördern. Das Selbstwertgefühl von Kindern - insbesondere von solchen aus unteren sozialen Schichten und aus Randgruppen - sollte sich unabhängig von ihrer materiellen Lage entwickeln können.
Da die meisten Familien heute getrennt von alten Menschen leben, kommt es in Kindertageseinrichtungen darauf an, Kindern den Kontakt zu Senioren zu ermöglichen. Jede Seite kann dann Verständnis für die Lebenssituation und die Bedürfnisse der anderen Seite entwickeln und lernen, mit ihr zu kommunizieren. Auf diese Weise können Kindertagesstätten einen Beitrag zur Verständigung zwischen den Generationen leisten.
Kindertageseinrichtungen können dazu beitragen, dass Kinder aus unterschiedlichen Kulturkreisen lernen, einander zu achten, verschiedene Religionen, Werte und Verhaltensmuster zu tolerieren und miteinander auszukommen. Ferner benötigen ausländische Kinder viel Sprachförderung, da sie nur dann gute Chancen in Schule und Beruf haben, wenn sie die deutsche Sprache beherrschen.
Durch religiöse bzw. ethisch geprägte Erziehung können Kindertageseinrichtungen dazu beitragen, dass sich Kinder Werte und Moralvorstellungen aneignen und für sich selbst einen Lebenssinn finden. Auch kann die Grundlage für ein späteres soziales Engagement gelegt werden: die Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen.
In einer immer hektischer werdenden Gesellschaft ist es außerdem wichtig, dass Kinder lernen, zur Ruhe zu kommen und sich zu entspannen - z.B. mit Hilfe von Meditation, Entspannungsübungen oder Legen von Mandalas. Eine besondere Bedeutung kommt hier ferner der Bewegungserziehung zu (Sport). Ferner muss genügend Zeit für zweckfreies Spielen bleiben.
Schließlich bleibt es wichtig, dass sich Erzieheri/nnen viel Zeit für das einzelne Kind nehmen. Gerade in der heutigen Zeit fehlen Kindern Gesprächspartner, denen sie ihre Gedanken und Gefühle anvertrauen können und die wirklich zuhören. Auch müssen die aktuellen Bedürfnisse der Kinder beachtet werden - nach Liebe und Zuwendung, Sicherheit und Geborgenheit, Kontinuität und Verlässlichkeit. Für Kinder sollten Kindertageseinrichtungen ein Umfeld sein, in dem sie sich zufrieden und glücklich fühlen.
Erziehung und Bildung für die Zukunft bedeuten somit nicht, dass auf Kindorientierung verzichtet wird - und natürlich müssen Kindertageseinrichtungen weiterhin familien-, lebenswelt- und gegenwartsorientiert sein. Aber es muss mehr als bisher an die Zukunft der Kinder und unserer Gesellschaft gedacht werden: Die Welt wird immer komplexer, schwieriger und stressiger werden, und unsere Kinder müssen dafür gewappnet sein.
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