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Eltern sind die "Architekten der Familie" (Satir). Ihre Persönlichkeit, ihre Beziehung und ihr Verhalten sind für ihre Kinder vorbildlich und prägen deren Entwicklung. So wirkt sich Folgendes positiv aus:
- Sind Eltern psychisch gesund, können Säuglinge und Kleinkinder leichter Bindungen zu ihnen eingehen. Sie werden sich bei ihnen sicher und geborgen fühlen. Später wird der fortwährende Wechsel zwischen dem Wunsch nach Nähe und dem Streben nach Abgrenzung von diesen Eltern akzeptiert werden.
- Psychisch gesunde Eltern sind gute Vorbilder: Die Kinder lernen von ihnen rationales Denken, den Umgang mit Gefühlen, Problemen und Konflikten sowie ein positives kommunikatives Verhalten.
- Ist die Paarbeziehung gut, finden Kinder Sicherheit und Geborgenheit in ihrer Familie. Sie werden nicht in Konflikte einbezogen, leiden nicht unter fortwährenden Spannungen, müssen keine Angst vor Trennung und Scheidung haben. Sie können das für das aktive Erforschen ihrer Umwelt notwendige Vertrauen entwickeln.
- Eine gute, dialoghafte Paarbeziehung dient Kindern als Modell für die Gestaltung eigener Beziehungen. Sie erkennen den Zusammenhang zwischen Beziehungsarbeit und Selbsterziehung.
- Akzeptieren Eltern die Individualität und Einzigartigkeit ihres Partners, so werden sie dieselbe Haltung gegenüber ihren Kindern einnehmen. Diese können sich somit frei entfalten und sich selbst verwirklichen.
Deutlich wird, wie groß die erzieherische Wirkung des Vorbilds der Eltern und ihrer Beziehung ist, dass der Qualität des Zusammenlebens und dem Familienklima eine große Bedeutung zukommt. Das bedeutet, Eltern sollten nicht zuerst an das Kind, sondern an sich selbst und ihre Paarbeziehung denken. Dieser Grundsatz wird heute weitgehend missachtet...
Ferner benötigt ein Kind eindeutige Grenzen. Es muss lernen, auf die Absichten, Wünsche und Bedürfnisse der anderen Familienmitglieder Rücksicht zu nehmen. Diese sollten deshalb nicht verheimlicht werden. Auch muss das Kind erkennen, dass Geld und Zeit knapp sind, sodass es mit Konsumangeboten, Medien und Freizeitmöglichkeiten richtig umzugehen lernt. Schließlich sollten die Eltern ihm immer mehr Aufgaben im Haushalt, für die Pflege seines Zimmers usw. übertragen, da dieses zu seiner Eigenständigkeit beiträgt, zu Verantwortungsbereitschaft führt und die Entfaltung seiner Fähigkeiten fördert.
Insbesondere sollten sich die Väter intensiver an der Erziehung ihrer Kinder beteiligen. Dies hat viele positive Auswirkungen: So wurde z.B. bei Kindern aktiver Väter mehr Einfühlsamkeit, eine geringere Geschlechtsrollenfixiertheit, eine höhere soziale Kompetenz und eine größere Stressresistenz festgestellt. Für Jungen sind Väter vor allem als männliches Rollenmodell wichtig. Hier wirkt sich positiv aus, wenn Väter und Söhne viel gemeinsam unternehmen, also beispielsweise miteinander Fußball spielen, herumtoben, basteln und werken, im Wald "herumstrolchen" oder gemeinsam zelten. Ausflüge zu Abenteuerspielplätzen oder Aktivitäten in der freien Natur ermöglichen das Erlernen von Körperbeherrschung und leisten auf diese Weise einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung von Selbstvertrauen. Die Jungen können ihre Kräfte einsetzen und sich körperlich bewähren.
Insbesondere durch Aktivitäten in Wald und Flur kann auch der Naturentfremdung begegnet werden, können Kinder alle ihre Sinne einsetzen. Gemeinsam werden Pflanzen betrachtet, Tiere beobachtet, jahreszeitliche Veränderungen registriert und Naturmaterialien spielerisch verwendet. Hierdurch - aber auch durch das gemeinsame Experimentieren, das Herstellen von Spielsachen, das Kochen, die Gartenarbeit usw. - werden zugleich die Selbsttätigkeit und Kreativität der Kinder gefördert. Entdeckendes Lernen, Handlungsorientierung und Erfahrungslernen werden wieder Teil der Kindheit.
Kinder, die häufig solche Aktivitäten machen, die mit der Zeit Hobbys entwickeln oder die in Vereinen aktiv werden, dürften auch wenig Zeit vor dem Fernseher oder im Internet verbringen. Ansonsten sollten Eltern ihren Kindern möglichst früh den richtigen Umgang mit Medien nahe bringen. Keinesfalls sollten sie Kleinkinder durch das Anschalten des Fernsehers "ruhigstellen". Jedoch können ausgewählte Computerspiele Kindern helfen, Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben. So können Kinder das Funktionieren einer Stadt (z.B. Sim City), die Entstehung von Zivilisationen (z.B. Civilization), den Aufbau eines Zoos u.v.a.m. kennen lernen. Noch eine Randbemerkung: Inzwischen wurde nachgewiesen, dass Jugendliche auch in nicht pädagogischen Computerspielen (z.B. World of Warcraft) Managements- und Führungsfähigkeiten entwickelt können, wenn sie dort z.B. die Leitung einer Gruppe oder die Planung und Vorbereitung einer Aktion übernehmen...
Bedenkt man die große Bildungsmacht von Familien, so sollten Eltern auch danach trachten, in ihren Familien folgende bildungsrelevante Merkmale auszubilden:
- eine qualitativ gute Kommunikation zwischen Eltern und Kindern (also auch bezogen auf Wortschatz, Begriffsverständnis, Komplexität von Sätzen usw.),
- Unterstützung des (Klein-) Kindes bei der Erkundung der Welt und bei der Aufnahme sozialer Beziehungen, insbesondere zu Menschen anderen Alters, zu Senioren und Behinderten,
- (Tisch-) Gespräche über Erfahrungen am Arbeitsplatz, über politische Ereignisse und Kontakte mit Institutionen, sodass Kinder die Erwachsenenwelt kennen lernen,
- bildende Aktivitäten in der Familie, z.B. Beschäftigung mit Lernspielen, Vorlesen, Experimentieren, Gespräche über Fernsehfilme, Bücher, naturwissenschaftliche Themen und aktuelle (politische) Fragen,
- eine positive Einstellung zu Lernen und Leistung, zu Kindertageseinrichtung, Schule und Berufsausbildung bzw. Studium,
- positive Interaktionen über das, was in der Schule und im Unterricht passiert, Unterstützung bei den Hausaufgaben, ein hohes Anspruchsniveau hinsichtlich Schulleistung und -abschluss,
- ein enger Kontakt zwischen Eltern und Erzieher/innen bzw. Lehrer/innen, damit erstere wissen, wie sie außerfamiliale Bildungs- und Erziehungsbemühungen zu Hause unterstützen können.
Hier wird erneut die große Bedeutung der Umweltgestaltung durch die Eltern und der von ihnen geschaffenen Lebensordnung deutlich. Eltern erziehen und bilden durch die von ihnen gelebten Werte, ihre Weltanschauung, ihre Interessen, ihre Einstellungen, ihre Gespräche über Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur etc. Positiv wirkt sich vor allem ein dialoghaftes Eltern-Kind-Verhältnis aus, in dem es eine große Kommunikationsdichte gibt. Ferner erziehen und bilden Eltern dadurch, mit welchen Menschen sie ihre Kinder in Kontakt bringen, welche Aktivitäten sie mit ihnen durchführen oder fördern, welche Fernsehprogramme und Bücher sie für sie auswählen. Jedoch sollten Kindern nicht durch zu viele Aktivitäten und Angebote - z.B. von Einrichtungen wie Ballett- oder Musikschulen - überfordert werden. Zudem sollten sie lernen, wie sie mit Hilfe von Mandalas, Yogaübungen oder Spielen (z.B. Memory) zur Ruhe kommen können. Kinder benötigen Freiräume, sodass sie sich oft unbeobachtet und selbstbestimmt erleben können.
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